Es ist ein ganz gewöhnlicher Abend. Du räumst noch etwas weg, beantwortest eine Nachricht und denkst bereits an den nächsten Morgen. Der Tag ist geschafft. Erst jetzt merkst du, dass du kaum einen Moment erlebt hast, den du selbst gewählt hast.

Vielleicht hast du nicht einmal etwas Unangenehmes getan. Du magst deine Arbeit. Du liebst deine Familie. Du bist gern für andere da. Trotzdem bleibt dieses leise Gefühl: In meinem Leben fehlt jemand. Ich.

Wenn aus Gewohnheiten Erwartungen werden

Wir verlieren uns selten durch eine einzige große Entscheidung. Häufig beginnt es mit kleinen Verschiebungen. Der eigene Spaziergang fällt aus, weil noch etwas erledigt werden muss. Ein Wunsch wird auf später verschoben. Bei einer Einladung sagst du zu, obwohl du dich auf einen ruhigen Abend gefreut hast.

Das kann gelegentlich gut funktionieren. Schwierig wird es, wenn du dich regelmäßig als diejenige behandelst, deren Bedürfnisse am ehesten warten können. Irgendwann müssen andere gar nicht mehr darum bitten. Du übernimmst, bevor die Frage gestellt wird.

Dabei kann das Gefühl entstehen, gebraucht zu werden sei dasselbe wie gesehen zu werden. Doch jemand kann sich auf dich verlassen, ohne zu bemerken, wie viel dich das kostet. Und du kannst zuverlässig sein, ohne jederzeit verfügbar sein zu müssen.