Es gibt Abende, an denen ich nach Hause komme, die Tür hinter mir schließe und weiß, dass für den Rest des Tages niemand mehr etwas von mir erwartet. Niemand fragt, wann ich zu Hause bin, was es zu essen gibt oder was wir am Wochenende machen. Niemand wartet auf dem Sofa, und wenn ich etwas erzählen möchte, muss ich selbst zum Telefon greifen.
Früher hätte ich solche Momente wahrscheinlich als Einsamkeit bezeichnet. Heute empfinde ich sie oft ganz anders. Ich ziehe meine Schuhe aus, mache Musik an, koche mir etwas, setze mich mit einem Glas an den Tisch und genieße dieses eigenartige, wunderbare Gefühl, dass dieser Abend ausschließlich mir gehört.
Natürlich gibt es auch andere Abende. Abende, an denen ich gerne jemanden neben mir hätte. Wenn etwas Schönes passiert ist und ich es sofort erzählen möchte. Wenn ein Tag schwierig war. Wenn ich irgendwo sitze, Paare um mich herum sehe und für einen kurzen Moment denke, dass es schön wäre, diesen Augenblick mit jemandem zu teilen.
Ich glaube, genau diese Ehrlichkeit gehört dazu. Glücklich allein zu leben bedeutet nicht, niemals einsam zu sein. Es bedeutet auch nicht, keine Liebe mehr zu wollen oder so unabhängig geworden zu sein, dass man niemanden braucht. Es bedeutet vielmehr, das eigene Leben nicht mehr als unvollständig zu betrachten, nur weil gerade kein Partner darin vorkommt.
Und diese Erkenntnis hat für mich sehr viel verändert.
Wenn das Leben plötzlich wieder dir gehört
Wir Frauen verbringen einen erstaunlich großen Teil unseres Lebens damit, uns um andere Menschen herum zu organisieren. Wir sind Töchter, Partnerinnen, Ehefrauen, Mütter, Kolleginnen. Oft merken wir gar nicht, wie selbstverständlich wir unsere eigenen Wünsche irgendwo dazwischen unterbringen.
Und dann kann irgendwann eine Phase kommen, in der vieles davon wegfällt oder sich verändert. Eine Beziehung endet. Die Kinder werden größer. Oder wir selbst verändern uns und stellen fest, dass wir nicht länger in einem Leben bleiben möchten, das zwar nach außen vollständig aussieht, sich innen aber längst nicht mehr richtig anfühlt.
Plötzlich entsteht Raum.
Dieser Raum kann am Anfang erschreckend sein, weil wir gewohnt sind, ihn mit anderen Menschen zu füllen. Doch irgendwann habe ich verstanden, dass genau darin auch etwas unglaublich Kostbares liegt: Ich darf wieder herausfinden, was ich eigentlich möchte.
Nicht als Mutter. Nicht als Partnerin. Nicht für meine Familie, meinen Arbeitgeber oder irgendeine gesellschaftliche Vorstellung davon, wie eine Frau in meinem Alter leben sollte.
Einfach ich. Vielleicht ist das eine der größten Freiheiten des Älterwerdens.