Vielleicht ist es das Wort „sexy", bei dem es interessant wird.

Mit zwanzig schien es einfach zu sein. Sexy war ein bestimmter Körper, ein kurzes Kleid, Aufmerksamkeit, Blicke und dieses selbstverständliche Gefühl, dass Jugend allein schon etwas Begehrenswertes war.

Heute bedeutet sexy für mich etwas anderes. Es hat weniger damit zu tun, ob jeder Mann im Raum mich attraktiv findet. Es hat viel mehr damit zu tun, ob ich mich selbst als Frau spüre. Und vielleicht ist das einer der schönsten Unterschiede zwischen 25 und 50.

Ich brauche keine Erlaubnis mehr, mich sexy zu fühlen

Es gibt eine merkwürdige Erwartung an Frauen. Wir sollen attraktiv bleiben, aber bitte nicht zu sehr zeigen, dass wir es wissen. Wir dürfen sexy sein, solange es „altersgerecht" bleibt. Irgendwann wird das anstrengend.

Vielleicht möchte ich heute einfach ein Kleid tragen, weil ich mich darin fantastisch finde. Nicht, weil ich zwanzig aussehen möchte. Nicht, weil ich einen Mann beeindrucken muss.

Sondern weil ich beim Blick in den Spiegel denke: Verdammt, ja.

Attraktivität hat erstaunlich wenig mit Perfektion zu tun. Ich kenne wunderschöne Frauen, die einen Raum betreten und trotzdem versuchen, unsichtbar zu werden. Und ich kenne Frauen, die keinem klassischen Schönheitsideal entsprechen und eine Ausstrahlung besitzen, der man sich kaum entziehen kann. Was ist der Unterschied? Vielleicht Präsenz.

Und dann ist da noch das Wort CRAZY

Nicht im Sinne von verrückt. Sondern als Gegenstück zu diesem ewigen „Sei vernünftig". Mit 40 oder 50 haben wir genug vernünftige Dinge getan. Wir haben Rechnungen bezahlt, Termine eingehalten, Kinder versorgt, gearbeitet, organisiert, Kompromisse gemacht und Verantwortung getragen.

Vielleicht dürfen wir manchmal wieder etwas tun, das keinen vernünftigen Zweck erfüllt. Nicht jede Entscheidung muss unseren Lebenslauf verbessern. Manche dürfen einfach dafür sorgen, dass wir uns lebendig fühlen.